Jugendstil: Linien und Rundungen

Geschichtlich steht der Jugendstil zwischen Historismus und moderner Kunst. Diese Stilrichtung dauerte ca. 20 Jahre. Diese eigentlich sehr kurze Zeit von 1890 bis Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts bringt Linien und Kurven in harmonischen Einklang. Wo anfangs Blumendekore und geschwungene Linien vorherrschen, werden diese dann zu geometrischen Formen ohne Bezug auf historische Ereignisse.

Es sind schöne Elemente, aus der Natur gegriffen, die oft durch Farbabsetzungen hervorgehoben werden. Bei den Möbeln drückt sich der Jugendstil durch geschwungene Sitzlehnen, runde Tischbeine und fließende Linien aus. Sitzpolster werden mit hellen Stoffen von dem dunklen Holz abgehoben, gedrechselte Beine und die ovalen Zierelemente 'runden' einen eckigen Schrank ab.

Zur Programmatik des Jugendstils gehörte aber auch die Forderung nach Funktionalität und Ausdruck der Funktion in der Erscheinung der Dinge, dass also die Funktionen eines Gebäudes auch dessen Gestaltung sichtbar bestimmen sollte. So beispielsweise sollten die Fassaden nicht länger symmetrisch und von axialen Aufteilungen bestimmt sein müssen, sondern einer aus dem Grundriss entwickelten Raumvorstellung folgen dürfen. Insgesamt gehört die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen

Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eine der zentralen Fragen des Jugendstils war in gewisser Weiterführung der Stildebatten des 19. Jahrhunderts die Frage nach dem so genannten „modernen“ Stil, dem „Stil unserer eigenen Zeit“.

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Literatur

Friedrich Ahlers-Hestermann: Stilwende. Aufbruch der Jugend um 1900. Ullstein, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-548-36063-7 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1956; Zur Geschichte der Bewegung).

Kai Buchholz: Im Rhythmus des Lebens. Jugendstil und Bühnenkunst. Verlag Arnold, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89790-270-1.

Lydia L. Dewiel: Schnellkurs Jugendstil. 2. Aufl. DuMont, Köln 2007, ISBN 3-8321-5384-5.

Gabriele Fahr-Becker: Jugendstil. Tandem-Verlag, Königswinter 2007, ISBN 978-3-8331-3544-6 (Prachtvoll ausgestatteter, aber preisgünstiger Bildband mit allerdings recht anspruchsvollem Textteil)

Peter Guth, Bernd Sikora: Jugendstil & Werkkunst. Architektur um 1900 in Leipzig. Edition Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-361-00590-6.

Stefanie Lieb: Was ist Jugendstil? Eine Analyse der Jugendstilarchitektur 1890–1910. Primus-Verlag, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14910-6.

Hermann Muthesius: Kunstgewerbe und Architektur. Kraus-Thomson, Nendeln 1976 (Nachdruck der Aufsätze „Neues Ornament und neue Kunst“ und „Kultur und Kunst“; Quelle zur Entstehung des Begriffs Jugendstil, zeitgenössische Kritik)

Edda Neumann-Adrian, Michael Neumann-Adrian: Münchens Lust am Jugendstil. Häuser und Menschen um 1900. MünchenVerlag, München 2006, ISBN 3-934036-93-7.

 

 





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